Wir haben es alle sehnlichst erwartet und seit gestern nacht um 00:00 Uhr können nun auch alle Spieler ohne Early Enlister Edition in den Genuss von Battlefield 1 kommen. Und wenn ich sage Genuss, dann meine ich das auch so, denn der aktuellste Teil der Battlefield-Reihe ist sowohl grafisch als auch technisch ein echter Leckerbissen. Anscheinend hat es sich für EA ausgezahlt im Vorfeld einige Stress-Tests, Alphas und Betas zu veranstalten, denn so einen reibungslosen Start haben wir in letzter Zeit selten gesehen. Es gab keine nennenswerten Server-Ausfälle und das Spiel läuft sehr flüssig. Nach mehreren Tagen mit dem Spiel kann ich nun auch endlich – nachdem ich mich mühsam vom Spiel loseisen konnte – mein Review zu Battlefield 1 verfassen.

Die Battlefield 1 Kampagne

DICE hat hier wirklich abgeliefert. Die Entscheidung die Kampagne in eine Mini-Serie mit Geschichten einzelner Soldaten im 1. Weltkrieg zu verpacken war ein genialer Schachzug. Die einzelnen Stories wirken durch die sehr gelungen ausgearbeiteten Charaktere sehr glaubhaft. Hier haben die Entwickler einiges an Recherchearbeit geleistet. Es wird zu keinem Zeitpunkt langweilig und die Erzählungen, die Synchronisation und Atmosphäre sind tatsächlich deutlich besser gelungen als ich es zunächst erwartet hatte. Schließlich liegt das Hauptaugenmerk von Battlefield 1 nicht unbedingt auf dem Singleplayer-Modus. Ein kleines Manko ist die Länge der Kampagne. Diese fällt nämlich mit nur wenigen Stunden Spielzeit relativ kurz aus. Das ist auch kein Wunder, denn der eigentliche Fokus und gleichzeitig das beste Kaufargument für Battlefield 1 ist der massive Multiplayer für den die Battlefield-Reihe schon immer bekannt war, doch dazu später mehr.

Die kleinen Details sind es, die einen während der Kampagne wirklich fesseln und eine Atmosphäre vermitteln, wie ich sie bisher selten erleben konnte. Die umherliegenden Körper gefallener Soldaten, die Tatsache, dass die Waffen auch dreckig werden, wenn man sich in dem Schlamm wirft oder die schreienden Gegner und Kameraden um einen herum malen ein Bild vom 1. Weltkrieg, dass in einer absurden Schönheit daherkommt. Damit will ich nicht sagen, dass Battlefield 1 den Krieg in irgendeiner Weise beschönigt, jedoch muss man den Entwicklern eine Menge Respekt für die detailgetreue Umsetzung zollen.

Battlefield 1 - Quelle: Electronic Arts

Ganz besonders hervorzuheben ist das grandiose Sound-Design. DICE hat sich hier (wieder einmal) mit ordentlich Ruhm beckleckert. Wobei es hier „kleckern“ nicht wirklich trifft. „Klotzen“ wäre der geeignetere Begriff. Man merkt, dass man bei der Entwicklung von Battlefield 1 viel Arbeit in die richtige Auswahl, Aufnahme und Verwertung von authentischen Geräuschen gesteckt hat.

Einzige wirkliche Kritik muss sich DICE bei der schwachen KI gefallen lassen. Diese rennt meist dümmlich in Gruppen auf ein Geschütz zu ohne dabei wirklich treffsicher zu schiessen. Für einen erfahrenen Battlefield Spieler ist es kein Problem alle Missionen abzuschließen ohne dabei nennenswert Schaden zu nehmen.

Der massive Multiplayer

Auch im Mehrspielerteil von Battlefield 1 gibt es ein paar Neuerungen, einige davon – wie ich finde – revolutionär. Ganz besonders hervorzuheben ist der neue Operationen-Modus. DICE bricht hier mit dem altbewährten System EINE Runde auf EINER Map zu spielen, denn in diesem Modus gilt es eine Reihe von Missionen zu erfüllen um den Sieg über das gegnerische Team zu erlangen. Dabei muss man in mehreren Operationen auf thematisch passenden Maps gegen seine Gegner in verschiedenen Szenarien antreten um seine Ziele zu erreichen. Es gibt hierfür insgesamt fünf unterschiedliche Operationen mit zwei oder drei Missionen (Maps), die ihr gewinnen müsst um am Ende siegreich vom Schlachtfeld zu gehen.

Die zweite Neuerung im Multiplayer ist die Einführung eines Infanterie-Spielmodus genannt Kriegstauben. Das Ziel ist es eine Taube auf der Map zu finden, sich zu einem sicheren Ort zurückzuziehen und dann eine Nachricht zu schreiben, die dann mit der Taube verschickt wird. Zunächst klingt das nicht nach einem typischen Modus, der in Battlefield 1 zu erhöhtem Spielspass beitragen könnte. Dennoch musste ich nach einigen Runden feststellen, dass es auf den kleinen Maps mit maximal 24 Spielern sehr actionreich zugeht und man oftmals Nöte hat eine sichere Ecke zu finden in der man die Nachricht schreiben kann. Schafft man es dann doch können die Gegner noch versuchen die Taube beim Abflug abzuschiessen. Gelingt dies wiederum nicht regnet bald darauf ein vernichtender Artillerieschlag auf die Gegner nieder und man bekommt einen Punkt für die Ablieferung der Nachricht. Insgesamt muss man fünf Nachrichten abschicken um die Runde für sich zu entscheiden. Kriegstauben hat definitiv das Potential einer meiner Lieblings-Modi in Battlefield 1 zu werden. Geballte Action auf engstem Raum – find‘ ich gut!

Ein zweiter neuer Spielmodus ist Vorherrschaft. Im Prinzip ist es eine kleinere Infanterie-Variante von Eroberung bei der man auf engstem Raum um die Vorherrschaft von Punkten kämpft. Auch hier gibt es rasante Action, die für Battlefield eher ungewöhnlich scheint, aber dennoch wirklich viel Spass macht.

Aber damit nicht genug, denn wie alle Teile vorher bietet auch Battlefield 1 wieder die klassischen Modi Eroberung, Rush und Team-Deathmatch. Wie gewohnt sind die massiven Gefechte auf den großen Karten sehr gut ausbalanciert und das Map-Design übertrifft die Erwartungen bei weitem. Neben weitläufigen Karten auf denen mit schwerem Kriegsgerät gefochten wird werden auf anderen verwinkelteren Maps spannende Infanterie-Schlachten ausgetragen. Die Vielzahl an Waffen, Granaten, Minen und anderer Hilfsmittel machen Battlefield 1 zu einem der besten derzeit verfügbaren Mulitplayer-Spiele. Dabei schafften es die Entwickler sich nicht zuletzt wegen des gelungenen Settings deutlich von der Konkurrenz abzuheben.

Das Gameplay

„Spawn, Kill, Die and Repeat.“ Diese Vorgehensweise kennt man aus anderen aktuellen First Person Shootern nur zu gut. Battlefield 1 bietet aber soviel mehr. Zugegeben: Wenn man kein Fahrzeug oder Pferd beim Spawn abbekommt kann man schonmal einige Minuten über das Schlachtfeld laufen ohne einen einzigen Schuss abgeben zu müssen. Aber das geschieht relativ selten und im Allgemeinen wird man eher in ein hart umkämpftes Gebiet geworfen in dem man sich nach wenigen Sekunden der Orientierung schnell zurechtfindet.

Battlefield 1 - Quelle: Electronic Arts

Die Steuerung unterscheidet sich nur marginal von den Vorgängern sodass man schnell in gewohnter Weise in Schützengräben hechtet und aus der Deckung heraus auf die anstürmenden Gegner schiesst. Die Bewegungen sehen sehr flüssig aus und wirken nicht hölzern oder abgehackt. Besonders interessant sind die Animationen beim Verwenden der Feldgeschütze. Der Charakter lädt nicht nur in der eigenen Animation jedes Geschoss einzeln nach und richtet das Geschütz auf sein Ziel aus, auch die anderen Spieler sehen wie man diese Aktionen ausführt. Wirklich bemerkenswert wie detailliert DICE hier gearbeitet hat. Solche Feinheiten tragen nicht unwesentlich zu dem positiven Eindruck in Battlefield 1 bei.

Grafisch einfach bombastisch

Wie hätte es auch anders sein können? Die Grafik in Battlefield 1 ist überwältigend gut. Die Feinheiten, die ich schon im Teil über den Singleplayer beschrieben habe greifen natürlich auch hier. Verschmutzte Waffen, Einschusslöcher in den Tragflächen der Flugzeuge und eine beeindruckende Kulisse sind nur ein paar der Beispiele, die ich hier anführen könnte. Alles in allem wird Battlefield 1 den hohen Erwartungen mehr als gerecht. Einzig die flach wirkenden Explosionen stehen etwas hinter dem Rest hinterher. Störend wirkt es allerdings nicht. Wie denn auch? Die meiste Zeit konzentriert man sich darauf nicht von hinten „geschaufelt“ zu werden oder in eine Übermacht von Gegnern zu laufen.

Die Waffen- und Fahrzeugskins, die man sich durch die Battlepacks erspielen kann, sind sehr schön ausgearbeitet und bieten – zumindest bei den Fahrzeugen – auch einen Nutzen. Bei Verwendung der richtigen Tarnung kann ein Panzer durchaus etwas mit dem Hintergrund verschmelzen was ihn auf Entfernung manchmal nur sehr schwer erkennbar macht. Dies hängt allerdings stark von der gespielten Map und dem verwendeten Skin ab.

Atmosphärischer Sound

DICE hat es in dieser Hinsicht einfach drauf. Punkt! Die überwältigende Soundkulisse in Battlefield 1 ist wahrscheinlich das i-Tüpfelchen was es zu einem atmosphärischen Meisterwerk macht. Ich meine damit nicht nur den üblichen Schlachtenlärm im Gefecht, sondern ganz besonders auch die Momente in denen man einfach mal unbehelligt über die Maps läuft. Im Wald hört man Vögel und Blätterrauschen, der Sandsturm in der Wüste pfeift einem in den Ohren und die Flugzeugmotoren dröhnen direkt vor dir und übertönen dabei den Fahrtwind. All das und noch viel mehr gibt einem das Gefühl mitten im Geschehen zu sein und es fühlt sich gut und richtig an.

Battlefield 1 Dogfight - Quelle: EA

Aber auch der eben angesprochene Schlachtenlärm spiegelt das Können der Sound-Designer bei DICE wieder. Verzweifelt ausgerufene Befehle mischen sich mit dem Rattern der Maschinengewehre und Explosionen um einen herum und lassen den Eindruck entstehen man stehe direkt im Geschehen und nicht vor dem Monitor im warmen Büro zuhause. Dabei sind es die Feinheiten, die markant hervorstechen. Neben allen anderen Geräuschen hört man immer noch seine Schritte auf dem morastigen Waldboden oder die wiederhallenden Schreie sterbender Kameraden in einem Bunker. Es ist schon beinahe beängstigend gut gelungen und für mich das absolute Highlight in Battlefield 1.

Das Balancing

Nicht zuletzt wegen des Balancings hat DICE im Vorfeld des Releases einige Testphasen in Form von Alphas, Betas und Stress-Tests durchgeführt. Dies erlaubte nicht nur das Balancing der Waffen und Fahrzeuge sondern gleichzeitig auch der Technik hinter dem Spiel (Stichwort Server-Tickrate). Aber ich schweife ab. Das Waffenbalancing wirkt ausgewogen und das Handling fühlt sich erstmal ordentlich an. Bei genauerem Hinsehen stellt man allerdings Dsikrepanzen in der Genauigkeit und der Schadenswirkung fest. Gefühlt sind die Maschinengewehre der Supporter-Klasse deutlich zu schwach, dafür die automatischen Sturmgewehre der Sturmsoldaten zu stark und genau. Hier müsste DICE noch etwas nacharbeiten. Der größte Balancing-Faktor sind allerdings die Scharfschützen. Die Gewehre sind zwar schon etwas ungenauer als bei den Vorgängern, aber dennoch erscheinen sie in den Händen der geübteren Spieler übertrieben stark.

Die Fahrzeuge hingegen wurden bereits während der Testphasen ausführlich überarbeitet, sodass der leichte Panzer nun deutlich schneller erledigt werden kann und nicht mehr ganz so viel Schaden austeilt wie zuvor. Der schwere Panzer hingegen wurde etwas zu sehr verstärkt. Ich habe einige Runden erlebt in denen ein Spieler 15 bis 20 Minuten einen schweren Panzer fuhr und dabei Kills im hohen 20er oder 30er Bereich erzielte. Allerdings sah ich auch das andere Extrem: Mehrere schwere Panzer und Landkreuzer wurden von geübten Squads in wenigen Minuten erledigt. Es wird sich zeigen ob DICE noch an den Werten der Fahrzeuge drehen muss oder nicht.

Fazit

Battlefield 1 ist ein fantastisches Spiel mit überwältigendem Sound und sehr schöner Grafik. Einzig der Singleplayer enttäuscht leicht durch die einfache KI der Gegner und die sehr kurze Kampagne. Es fühlt sich an spielt sich wie ein würdiger Nachfolger von Battlefield 4, eben nur in einem zunächst ungewohnten aber bemerkenswert gut umgesetzten Setting. Am Balancing muss noch einiges geschraubt werden, aber so wie wir DICE kennen wird ein entsprechendes Update nicht lange auf sich warten lassen. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung für Battlefield 1.

Grafik // 90%
Sound // 100%
Gameplay // 90%
Langzeitmotivation // 95%

Battlefield 1 ist seit dem 21. Oktober 2016 verfügbar und kann hier oder direkt über den Origin Client erworben werden.

Quellen: Electronic Arts