Als thatgamecompany mit flOw, Flower und besonders dem mit Awards überschütteten Journey ihre Existenz als Entwickler für außergewöhnliche Art-Games etabliert hatten, war eigentlich klar, dass diese Art Spiel Nachzügler produzieren würde. Dass ABZÛ aussieht wie Journey unter Wasser ist allerdings kein Zufall sondern logische Konsequenz: im Team von Entwickler Giant Squid befinden sich mehrere ehemalige Mitarbeiter von thatgamecompany. Auch der Soundtrack wurde von Journey-Komponist Austin Wintory geschrieben. Warum sollte man also nun das Unterwasser-Exploration-Game ABZÛ spielen, wenn man Journey kennt?

Typischer ABZÛ-Look: Pastellfarben unter Wasser - Quelle: Giant Squid

Typischer ABZÛ-Look: Pastellfarben unter Wasser – Quelle: Giant Squid

Darum geht es in ABZÛ

In ABZÛ spielt man einen unbenannten Taucher in Third Person-Ansicht, der durch verschiedene Meeresszenarien schwimmt, Fische beobachtet und simple Schalterrätsel löst. Klingt erst mal unspannend. Im Laufe der Zeit kristallisiert sich auch eine Art Story heraus, die allerdings durch das komplett wortlos auskommende Spiel eher Interpretationssache ist. An Wänden verschiedener Unterwasserruinen gemalte Bildsprache erzählt bruchstückhaft was einem die Unterwasserwelt anbetenden Volk so passiert ist. Journey macht das etwas geradliniger und präsentiert dem Spieler zwischen den Spielabschnitten vorgefertigte Bilderabfolgen, welche die Geschichte verständlich transportieren. In ABZÛ ist diese aber ohnehin nebensächlich, also kann diese auch offener gestaltet werden. Hier geht es eher um die unfassbare Freiheit des Tiefseetauchens, die Faszination der Meeresbewohner und die spielerische Umsetzung, welche Giant Squid annähernd makellos umgesetzt haben.

Unbezahlbar: mit Walen schwimmen in ABZÛ - Quelle: Giant Squid

Unbezahlbar: mit Walen schwimmen in ABZÛ – Quelle: Giant Squid

Eine Reise durch die Tiefsee

Wenn die Story so dünn daherkommt, muss das Spiel seine 3-4 Stunden Spielzeit irgendwie anders begeistern. Das schafft das Exploration-Game durch das unverbrauchte Setting und die brilliante Steuerung. Unterwasserlevel sind allgemein hin überwiegend unbeliebt. Man erinnere sich an den Zora-Tempel in The Legend Of Zelda: Ocarina Of Time, jegliche Tauchpassagen in allen Tomb Raider-Spielen und ähnliche Ärgernisse mit dem kühlen Nass in Videospielen. Für viele bekannte Game-Protagonisten ist der erste Kontakt mit der Wasseroberfläche sogar tödlich. Keiner mag Unterwasserlevels. Aber ABZÛ schafft es, die Steuerung so intuitiv, einfach und flüssig zu gestalten, dass man über nichts nachdenken muss, sondern einfach die Aussicht und das Erforschen genießen kann. Die bildschöne, butterweiche und farbenfrohe Grafik ist das A und O dieses Spiels. Das Gefühl sich mühe- und schwerelos Unterwasser bewegen und alles entdecken zu können fesselt durchaus den ganzen Spielverlauf. So schwimmt man mit offenen Augen durch die abwechslungsreich gestalteten Unterwasserhöhlen, die offene See und alte Stadtruinen. Man kann gar nicht so schnell gucken wie man alles aufsaugen und bestaunen möchte; erst recht wenn man sich an einer Rückenflosse eines der vielen Unterseetiere festhält und einfach mitschwimmt. Hier muss man nichts tun sondern kann die Umgebung genießen ohne selbst steuern zu müssen. Quasi wie Meeresrikscha fahren. Dabei lernt man sogar die Bezeichnung der vielen Lebewesen kennen.

Die Schalterrätsel sind eher obligatorisch als herausfordernd. Man muss Kettenmechanismen aktivieren, um Tore zu öffnen, Wasserströme in Bewegung zu setzen oder andere Hindernisse aus dem Weg zu räumen. So schwimmt man kurzzeitig etwas verloren auf der Suche nach Schaltern über den Grund und findet dabei mitunter diverse hell leuchtende Hügel auf dem Meeresboden, welche einmal aktiviert neue Fischschwärme freisetzen auf dass die Levels nun noch belebter wirken. Nach den gelösten Rätseln gerät man meistens durch Ruinenpassagen in eine Art Tempelanlage und wiederum in offene Seestellen, welche das Zentrum eines jeweiligen Levelendes darstellen. Von dort aus geht es im Strom zum nächsten Abschnitt.

Fazit

Für Fans von Journey und Tauchsport-Interessenten ist ABZÛ ein Traum. Je länger man spielt desto schöner wird es. Man mag es kaum glauben, dass sich das Spiel immer und immer wieder in der optischen Darstellung toppen kann aber das klappt mehrmals. Man sollte das Game allerdings als das sehen was es ist: ein Exploration Game, oder vielleicht fast sogar ein Unterwasser-Walking Simulator. Hier gibt es nicht viel zu tun, denn der Weg ist das Ziel: durch die wunderschöne Ozeanumgebung zu schwimmen ist Spielspaß und Motivation genug. Das simple wie geniale Steuerungsdesign und die kurze Spieldauer laden auch zum wiederspielen ein, da man neue Unterwassertiere entdecken und bisher verpasste Bereiche ertauchen kann. Jegliche Spieler, die Unterwasser-Action gegen Riesenkraken erwarten, sei von dem friedlichen Spielkonzept abzuraten. Alle Gamer, deren Horizont über die gängigen Konventionen hinaus gehen, müssen unbedingt dieses Spiel spielen.

Grafik // 95%
Sound // 85%
Gameplay // 79%
Langzeitmotivation // 80%

Für Fans von: Journey, Ecco The Dolphin, Tiefseetauchen und expressionistischer Kunst