Du weisst, dass ein Spiel wahrlich fesselnd ist, wenn du dich physisch von ihm losreissen musst um die Rezension zu schreiben. For Honor schaftt dieses Kunststück spielend. Man versinkt nur allzu gerne in den mittelalterlichen Schlachtenlärm und den Kampf Mann gegen Mann, denn genau diese Duellsituationen sind es, die den Erfolg des Titels ausmachen. Im Zusammenspiel mit einer wunderschön ausgearbeiteten Welt und hervorragendem Sound schließt es den Spieler sofort in seinen Bann und lässt ihn so schnell nicht wieder los.

Das Setting von For Honor

In einer post-kataklystischen, feudalen Welt, fechten Ritter, Wikinger und Samurai einen Jahrhunderte währenden, gewalttätigen Konflikt um die letzten Ressourcen und Ländereien aus. Zu Beginn des Spiels muss man sich entscheiden für welche dieser drei Fraktionen man in dem plattformübergreifenden Fraktionskrieg die in den Multiplayerschlachten gewonnenen Ressourcen verwandt werden. Diese Entscheidung hat im Übrigen keinen Einfluss auf die Verfügbarkeit der Helden im Spiel. Man kann durchaus den Rittern der eisernen Legion seine Treue geschworen haben und mit dem Orochi (einem Helden der Samurai) seine Feinde ins Jenseits schicken.

Krieg der Plattformen … aber anders

For Honor ist im Grunde eine spielbare Episode von „Deadliest Warrior„. Drei unterschiedliche Arten von Kriegern zwischen denen ein ultimativer Kampfwettbewerb entfacht ist. Im Multiplayer konkurrieren die Spieler um Gebiete auf einer großen Karte. Um diese zu erobern müssen Schlachten gewonnen werden. Am Ende jeder dieser Schlachten erhalten die Teilnehmer Kriegsressourcen, die im Krieg eingesetzt werden. Die Höhe ermisst sich hierbei an der persönlichen Leistung des Kriegers. Werden diese Ressourcen nun auf der Territorialkarte eingesetzt verschiebt sich das Kräfteverhältnis an der Grenze und das Gebiet kann am Ende der Runde erobert oder verteidigt werden.

Das Gameplay

Wie eingangs bereits erwähnt konnte ich mich auch nach mehreren Wochen Spielzeit kaum von For Honor loseisen um die paar Zeilen hier niederzuschreiben. Das liegt zum einen an der innovativen Kampfsteuerung und zum anderen daran, dass man sich sehr schnell an diese gewöhnt, obwohl sie doch so verflucht anders ist als alles bisher dagewesene. Die Verwendung eines Controllers ist meiner Meinung nach der Nutzung von Maus und Tastatur vorzuziehen, da die Mechanik von Angriff und Verteidigung wie für Analog-Sticks gemacht zu sein scheint und mit ziemlicher Sicherheit deutlich einfacher von der Hand geht. Hinzu kommt noch, dass die Durchführung der Kombo-Attacken – die im Übrigen für jeden Held sehr unterschiedlich ausfallen und die jeweiligen Kampfstile sehr gut wiederspiegeln – mit den Buttons erfahrungsgemäß einfacher vonstatten geht. Nichtsdestotrotz mag es Spieler geben, die sehr gut mit Maus und Tastatur zurechtkommen werden.

Die Story – mit starker weiblicher Antagonistin

Im Story-Modus wird eine epische Geschichte um die Bemühungen der Antagonistin Apollyon, Kriegsherrin der Black-Stone Legion. In insgesam drei Kapiteln – je eines für Ritter, Samurai und Wikinger – erlebt man auf sehr eindrucksvolle Weise wie ihre Machenschaften die noch immer vom Kataklysmus gezeichnete Welt weiter verdirbt. Apollyons Philosophie beruht auf dem sekularistischen Glauben die Menschheit teile sich in die Gruppe der unterwürfigen Schafe und die der dominierenden Wölfe. Diese Teilung führt unweigerlich zu Krieg – ihrem Glauben nach der naturgemäße Zustand des Menschen.

Apollyon ist sicher einer der besten und authentischsten Bösewichte, die ich je in einem Videospiel gesehen habe. Nicht nur weil sie als weibliche Antagonistin eine Ausnahme darstellt, sondern vor allem wegen der Geschichte hinter der Figur, der Art wie Synchronisation und Charaktergestaltung zusammenspielen und dem klugen Wirken mit dem Sie ihre Ziele zu erreichen sucht.

Spielt man die komplette Story durch bevor man in die Multiplayerschlachten zieht bekommt man jedes nötige Handwerkszeug mit auf den Weg um auch dort zu bestehen. Dadurch, dass man im Verlauf der Geschichte jeden Helden mindestens einmal spielt könnte man die Story auch als sehr ausgiebiges Tutorial bezeichnen. Aber selbst wenn es so gedacht gewesen ist – was ich nicht ernsthaft glaube – ist es doch das am besten gelungene Tutorial aller Zeiten. So bekommt man auch gleichzeitig eine sehr guten Einblick in die Beweggründe der Helden, Apollyons und der Geschichte hinter For Honor. Auch für Grinder und Sammler ist etwas geboten, wenn auch nicht in dem Maße wie es andere Spiele vorzeigen. Man kann in den einzelnen Abschnitten diverse zerbrechliche Gegenstände finden, Sehenswürdigkeiten betrachten und das alles auch noch einmal in unterschiedlichen Schwierigkeiten erleben.

Gelungener Multiplayer

Nun aber genug der Lobpreisung des Story-Modus. Immerhin bietet For Honor mit dem Multiplayer den Teil des Spiels mit dem richtig geklotzt wird. Ich erwähnte bereits, dass der Fraktionskrieg der Aufhänger für die unzähligen Schlachten und Duelle ist, die auf den Spieler warten. Alle absolvierten Spiele – ob nun um PvP oder PvE – bringen euch Kriegsressourcen mit denen ihr einen wichtigen Beitrag im Kampf um die Territorien leisten könnt. Je nach persönlicher Leistung können höhere oder niedrigere Mengen hiervon auf die Gebiete verteilt werden um ein Gebiet zu erobern oder vor einem bevorstehenden Angriff zu verteidigen.

Für Freunde riesiger Schlachten bietet der Eroberungsmodus sicherlich den besten Anreiz. Hier gilt es mit insgesamt 3 weiteren Mitstreitern Gebiete zu erobern, Horden von NPC-Soldaten abzuwehren und natürlich erbitterte Kämpfe mit den gegnerischen Helden auszufechten. Es kann manchmal etwas chaotisch zugehen und gelegentlich sieht man sich einer Übermacht Helden entgegen, jedoch kann sich das Blatt auch schnell zum Guten wenden und das eigene Team gewinnt die Oberhand.

Dann gibt es da noch die 4v4 Modi Scharmützel und Vernichtung. Ersteres ist eine abgeschwächte Version von Eroberung ohne die Einnahme von Gebieten und mit nur einigen wenigen NPC-Kriegern. Erlangt man eine gewisse Punktzahl gilt es die Helden des anderen Teams ein letztes Mal zu töten um die Schlacht für sich zu entscheiden. Letzterer forciert Duellsituationen und wer als letzter Kämpfer siegreich auf dem Schlachtfeld steht entschiedet die Runde für sich. Nach drei Gewinnrunden steht der endgültige Sieger dann fest. Wer sich also in kleinen Teams mit seinen Gegnern messen will hat hiermit die perfekte Chance dazu.

For Honor Artwork - Quelle: Ubisoft

 

Zu guter letzt folgen meine persönlichen Favoriten: Duell (1v1) und Handgemenge (2v2). Hier kommt es nur auf das persönliche Geschick an. Im Duell mit seinem Gegner muss man immer einen kühlen Kopf bewahren, die Attacken abwehren und im richtigen Moment eine Gegenattacke starten. Dieses Hin und Her macht die Spiele so spannend. Einzig die Technik zählt. Die Entwickler von For Honor sind es sogar soweit gegange, dass sie die Boni, die einem die gesammelte Ausrüstung normalerweise bietet in diesen Modi keinen Vorteil bietet.

Man bekommt aber nicht nur Kriegsressourcen für gewonnene Schlachten, sondern auch Ausrüstung und Stahl, die Ingame Währung von For Honor. Im Bereich Personalisierung des Helden haben sich die Entwickler schon beinahe selbst übertroffen. Es gibt eine wahre Fülle unterschiedlicher Waffen- und Rüstungsteile – alle mit einem ganz eigenen Aussehen. Zudem kann man die meisten der Teile auch noch mit einem Muster, Emblemen und verschiedenen Farben verschönern. Es gibt somit unzählige Kombinationen und das beste daran: mit steigendem Level werden die Ausrüstungsgegenstände immer imposanter. Also immer schön weiterkämpfen, looten und leveln.

Ein Fazit

Ich habe nur sehr wenige Kritikpunkte an For Honor. Eigentlich sind es nur zwei. Das Balancing der Helden könnte noch etwas Feinschliff vertragen. Vor allem die Nobushi der Samurai teilt mit hoher Reichweite ziemlich großen Schaden aus, auch wenn sie nicht allzuviel einstecken kann. Dafür jedoch kann sie sehr schnell ausweichen und sich aus einem Kampf zurückziehen, was sie zu einem schwer zu händelnden Gegner macht. Der zweite Punkt ist definitiv die Server-Problematik. Für ein Spiel, dass sie gehyped wurde wie For Honor hätte ich mir dedizierte Server gewünscht. Das momentan verwendete Peer-2-Peer System funktioniert nur mäßig gut und führt bei mir häufig zu relativ langen Wartezeiten.

Grundsätzlich kann man For Honor jedoch sehr empfehlen. Mit viel Liebe zum Detail hat Ubisoft hier ein Spiel entwickelt, dass auf viele Stunden fesselnd und aufregend bleibt. Nicht zuletzt wegen der hervorragend gelungenen Story und dem fabelhaften Sound. So, jetzt aber genug der Lobesreden und zurück aufs Schlachtfeld. Es gilt noch einige Gebiete für die Wikinger zu erobern!

Grafik // 95%
Sound // 85%
Gameplay // 90%
Langzeitmotivation // 90%

For Honor ist seit dem 14. Februar 2017 verfügbar und kann hier oder direkt über Uplay erworben werden.

Quellen: Ubisoft